Presseerklärung zum Medikationsbefund Libertina

Am 10. Februar 2006 hat die FEI mitgeteilt, dass in einer Dopingprobe, die der Stute Libertina beim CSIO Calgary (8. bis 12. September 2004) entnommenen Dopingprobe Restspuren von Koffein und Theophyllin festgestellt worden sind. Die Ursache dafür ist unsauberes Futter. Da es sich um die harmloseste Art von reglementarisch verbotenen Substanzen handelt und keine Indizien für eine künstlich beeinflusste Leistungsfähigkeit oder gar ein absichtliches Dopingvergehen bestehen, wurde der Reiterin von der FEI angeboten, das Verfahren gegen Zahlung einer symbolischen Buße in Höhe von 250 Schweizer Franken (185 Euro) abzuschließen. Jessica Kürten hat diese Zahlung abgelehnt und besteht stattdessen auf eine vollständige Aufklärung: Die Gründe dafür erläutert Jessica Kürten.
Koffein und Theophyllin sind – wie auch Theobromin – pflanzliche Wirkstoffe, die in über 60 Pflanzen vorkommen (z.B. Kakaoschalen und Teeblätter). Es handelt sich um wertvolle Proteinträger, die übliche Bestandteile von Viehfutter sind. Unser eigenes Spezialfutter enthält keine solchen Proteinträger, andernfalls wären nicht sämtliche bisherigen Dopingkontrollen – und es gab Dutzende – negativ ausgefallen. Beim CSIO Calgary konnte ich unser eigenes Futter nicht verwenden, weil in Kanada und den USA ein Importverbot für ausländisches Viehfutter gilt. Deshalb bekam Libertina das vom Calgary-Veranstalter zur Verfügung gestellte Futter.

Es kann nicht sein, dass ich für dieses Veranstalter-Futter zu haften haben, zumal der Veranstalter eine Hilfsperson der FEI ist und ich weder auf die Idee gekommen bin, noch die Möglichkeit habe, die biologische Zusammensetzung dieses Futters vor Ort wissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Hinzu kommt Folgendes: Anfang der 90er Jahre hat die FEI einen Schwellenwert für Theobromin eingeführt, weil dieser Wirkstoff wiederholt im Urin der kontrollierten Pferde nachgewiesen wurde und die Abklärungen ergeben hatten, dass es sich um einen üblichen Futtermittelbestandteil handelt. Der zulässige Theobromin-Schwellenwert ist im vorliegenden Fall nicht überschritten worden. Für Koffein und Theophyllin existiert aber kein Schwellenwert, obwohl diese Substanzen den gleichen pflanzlichen Ursprung haben. Folglich ist das Doping-Reglement in diesem Punkt schlicht unlogisch, willkürlich und ungerecht.

Ich habe erfahren, daß ein hochrangiger FEI-Funktionär beantragt hat, aus Gründen der Logik auch für Koffein und Theophyllin einen Schwellenwert einzuführen. Dies wurde aber aus unerfindlichen Gründen abgelehnt. Mit anderen Worten: Die FEI-Funktionäre kennen das Problem seit mindestens 15 Jahren, doch statt dass man die unsinnige und willkürliche Reglementierung ändert, versucht man das Problem durch Offerieren von symbolischen Bußbeträgen unter den Teppich zu kehren.

Für mich ist es der falsche Weg, still und leise 250 Euro zu bezahlen. Ich empfinde diese – wahrscheinlich gut gemeinte – Bußgeld-Offerte als ehrverletzende Nötigung, denn ich bin mir keiner Schuld bewusst und sehe weder Grund noch Rechtfertigung für irgendwelche Doping-Sanktionen.

Ich habe mich deshalb entschlossen, nichts – auch keine symbolischen Beträge – zu bezahlen, sondern stattdessen den Kampf “David gegen Goliath” aufzunehmen. Ich bin überzeugt, dass ich diesen Kampf gewinnen werde und falls nicht, war ich es meinem Ruf, meinem Pferd, meinen Sponsoren, meiner Familie und meinen Fans schuldig, für die Wahrheit zu kämpfen.

Jessica Kürten

17. Februar 2005



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