CHIO Aachen Donnerstag, 15. Juli 2004

Die deutsche Dressur-Equipe hat`s schon wieder getan – Selten waren die anderen Dressur-Teams so nah dran wie in diesem Jahr. Und doch hieß der Sieger im Lambertz-Preis, Preis der Nationen, am Ende wieder Deutschland. “Wir werden immer kämpferisch, wenn wir hören, wie sehr die anderen aufgeholt haben”, kommentierte Ulla Salzgeber, die mit Rusty auch die Einzelwertung anführt. Spannung ist dennoch garantiert. Denn nach den Ergebnissen vom Donnerstag ist unklar, wer hinter dem gesetzten Paar Salzgeber/Rusty das Ticket für die Olympischen Spiele lösen wird. Denn während Hubertus Schmidt und Martin Schaudt überzeugen konnten, blieben Heike Kemmer und Ann-Kathrin Linsenhoff deutlich hinter den Erwartungen zurück. Somit scheint die Entscheidung offen bis zur letzten Prüfung.
Pessoa: Dieser Preis fehlte mir noch Springreiter Rodrigo Pessoa hat den Preis von Nordrhein-Westfalen gewonnen. “Das war das einzige große Springen in Aachen, das mir noch gefehlt hat”, schmunzelte der Brasilianer. Er setzte sich im Stechen knapp vor Ludger Beerbaum durch. Und doch war sein Sieg für Pessoa eher nebensächlich – steht er doch kurz davor, Papa zu werden. “Es kann jeden Moment so weit sein, das wird eine großartige Erfahrung”, so Rodrigo Pessoa (siehe unten). Die Sieger vom 15.7.2004

Sieger im Preis der Jaguar-Deutschland GmbH F 2 Werner Ulrich: Der 45-jährige Schweizer aus Bäriswil ist gelernter Elektriker, arbeitet aber als Manager des Nationalen Fahrsportzentrums in Bern. 1998 war er in Pratoni del Vivaro (Rom) Weltmeister der Viererzugfahrer, nachdem er schon 1991 Weltmeister der Zweispänner gewesen war. Die Kür zur Musik fuhr er zu klassischen Melodien von George Bizet. Gewertet wurde diese Prüfung von zwei Fahr-Richtern (Klaus Christ, Deutschland, und Diana Brownlie, Großbritannien), der belgischen Dressurrichterin Mariette Withages-Dieltjens und Generalmusikdirektor Markus R. Bosch, Leiter des Sinfonie-Orchesters Aachen.

Sieger im HAVENS Pferdefutter-Preis D 2 Guenter Seidel: Der 43-jährige gebürtige Deutsche wanderte 1985 nach USA aus und lebt jetzt in Del Mar/Kalifornien. Der aktuelle Mannschafts-Vizeweltmeister gehörte 1996 in Atlanta sowie 2000 in Sydney zum olympischen Bronze-Team der USA. Der gelernte Pferdewirt ist auch für die Olympischen Spiele in Athen wieder qualifiziert.

Sieger im Grand Prix CDIO D 3 Ulla Salzgeber: Die 45-jährige studierte Juristin führt seit Mitte der 80er Jahre einen Dressur-Ausbildungsstall im bayerischen Bad Wörishofen. Sie war 2000, 2003 und 2004 Deutsche Meisterin. Ihre erste Goldmedaille gewann sie 1977 mit der deutschen Equipe bei der Europameisterschaft der Junioren. Bei den Olympischen Spielen 2000 sowie bei den WM 2002 und 1998 errang sie neben Team-Gold jeweils Einzel-Bronze. Außerdem ist sie amtierende Europameisterin.

Sieger im Sparkassen-Youngsters-Cup S 6 Toni Hassmann: Der diesjährige Derbysieger gewann mit dem achtjährigen Hannoveraner-Hengst Lomitas in diesem Jahr in Aachen bereits die zweite Springprüfung für junge Pferde. Der gelernte Pferdewirt begann seine Karriere als Ponyreiter und war 1990 deren Deutscher Vizemeister. In dieser Kategorie war er 1991 mit der Mannschaft sogar Europameister.

Sieger im RWE Preis von Nordrhein-Westfalen S 8 Rodrigo Pessoa: Der 31-jährige Brasilianer, der in der Nähe von Brüssel lebt und mit der US-Amerikanerin Keri Potter verheiratet ist, sieht in den nächsten Tagen zum ersten Mal Vaterfreuden entgegen. Der Weltmeister von 1998 (Rom) bestritt 1981 als Ponyreiter im englischen Hickstead sein erstes internationales Turnier. 1994 siegte er im Preis der Aachener und Münchener Versicherungen “Der Große Preis von Aachen”, den sein Vater Nelson (68) 1964 und 1972 ebenfalls gewonnen hat. Dreimal in Folge gewann Rodrigo das Weltcup-Finale.

Sieger im Preis des Handwerks S 7 Ludo Philippaerts: Der 41-jährige Belgier aus Gruitrode ritt 1986 seinen ersten Nationenpreis; beim Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen 2004, bestreitet er seinen 95. Seinen größten Einzelerfolg erzielte der mehrfache Belgische Champion 2001 im niederländischen Arnheim, als er Vize-Europameister im Einzelklassement wurde. Bei der EM im vergangenen Jahr in Donaueschingen verpasste er nur knapp die Goldmedaille und wurde nur Vierter.

27.500 Besucher am dritten CHIO-Tag

27.500 Zuschauer besuchten am dritten Turniertag das Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen 2004, wo ihnen Sport der Extra-Klasse beim Grand Prix im Dressurviereck, der Kür mit Musik für Vierspänner und beim RWE Preis von Nordrhein-Westfalen im Parcours geboten wurde. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Besucher auf 127.500.

Startfolge im Preis der Nationen

Equipen aus acht Nationen bestreiten am Freitag den Mercedes-Benz-Preis – “Preis der Nationen”. Als erstes Land schicken die Franzosen ihre Reiter in die zwei Umläufe des von Frank Rothenberger (46) gestalteten Parcours. Es folgen die Iren, die Belgier, die US-Amerikaner, die Deutschen, die Niederländer, die Italiener und die Briten.

Holsteiner Eventer Marius zum “Pferd des Jahres” gekürt “Ein Charakterpferd mit Moral”

Für wenige Minuten gehörte am Donnerstag einem Eventer das Springstadion in der Soers. In seinem typisch raumgreifenden Galopp drehte der zehnjährige Holsteiner-Schimmelwallach Marius mit seinem Reiter Hinrich Romeike (41) hier allein seine Ehrenrunde. Zuvor war er zum “Pferd des Jahres 2003” gekürt worden. Dazu hatten ihn die Leser der Pferdezeitschrift “Reiter Revue international” mit 51-prozentiger Mehrheit gewählt. Der Stern dieses Pferds ging im vergangenen Jahr auf, als es mit Hinrich Romeike im Sattel zunächst Deutscher Vize-Meister und dann bei der Europameisterschaft im irischen Punchestown 15. wurde und damit das beste Pferd aus dem deutschen Aufgebot war. – Als Fünfjähriger war Marius in den Stall von Hinrich Romeike gelangt. Ein Jahr zuvor war der Schimmel dem Zahnarzt aus dem schleswig-holsteinischen Nübbel in Elmshorn beim Holsteiner Tag des Vielseitigkeitspferds bereits positiv aufgefallen. 1999 wurde Romeike mit dem Züchter Hans-Werner Ritters aus Krumstedt handelseinig und kaufte ihn. Ritters hatte übrigens auch Classic Touch gezogen, mit der Ludger Beerbaum bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona Einzel-Gold gewonnen hat.

“Marius war von Anfang an im Umgang sehr freundlich, unterm Sattel aber mitunter auch sehr fröhlich”, lacht sein Besitzer und Reiter. Inzwischen aber kann Hinrich Romeike auch seine drei Kinder (zwölf, elf und acht Jahre) auf dessen Rücken setzen, ohne Angst um seinen Nachwuchs haben zu müssen. Sportlich ambitioniert war Marius von Anfang an. Als Fünfjähriger wurde er beim Bundeschampionat der Geländepferde Zweiter, als Sechsjähriger Fünfter. “In acht hintereinander folgenden schweren Prüfungen ist er keinem Hindernis auch nur andeutungsweise unsicher gewesen. Er hat überhaupt noch nie einen Fehler im Cross gemacht: Er ist noch nie gestürzt und hat noch nie einen Sprung verweigert”, versichert Hinrich Romeike und fügt hinzu: “Er ist ein Charakterpferd mit Moral; sonst würde er nicht solch einen Amateur wie mich über die schwersten Geländestrecken tragen.” Noch am vergangenen Wochenende wurde das Paar bei der Deutschen Meisterschaft auf dem Bonner Rodderberg Vierter. Da Marius auch in der Dressur stets eine gute Figur abgibt, zählt er bei den Olympischen Spielen in Athen, für die er fest gesetzt ist, zweifelsohne zu den Stützen der deutschen Eventing-Gesellschaft.

Klaus Husenbeth nicht mehr im Olympia-Kader

Noch bevor der CDIO beim Weltfest des Pferdesports in Aachen so richtig losging, war er für den deutschen Top-Reiter Klaus Husenbeth (48) bereits gelaufen: Sein zwölfjähriger Hannoveraner-Wallach Piccolino, mit dem der Diplom-Kaufmann aus Sottrum 2002 Mannschafts-Weltmeister und im vergangenen Jahr -Europameister geworden war, lahmte von einer Sekunde auf die andere mit dem linken Vorderbein. “Wir haben auch keine Erklärung dafür”, ist Deutschlands Bundestrainer Holger Schmezer (57) ratlos, “bei der morgendlichen Trainingsarbeit ging Piccolino noch klar. Wenige Stunden später lahmte er deutlich. Die Tierärzte hatten gar keine andere Wahl, als ihn von allen Wettbewerben hier auszuschließen. Damit hat sich das Thema Olympia für Klaus Husenbeth und Piccolini – so leid es mir tut – erledigt.”

Chris Kappler´s Olympia-Start noch fraglich

Sehr fraglich ist zur Zeit auch noch der Olympia-Einsatz des US-Springreiters Chris Kappler (37) aus Pittstown/New Jersey. Er hat sich zwar qualifiziert; aber sein designiertes Olympia-Pferd, der zwölfjährige niederländische Hengst Royal Kaliber, laboriert an einer akuten Beinverletzung. Daher hat der US-Teamchef Frank Chapot, sechsfacher Olympiareiter, seine Equipe für den Nationenpreis beim Weltfest des Pferdesports, CHIO 2004, umbesetzen müssen. Statt Kappler reitet jetzt Alison Firestone (27) aus Virginia ihren schwedischen Wallach Casanova (14) in der offiziellen Aachen-Mannschaft. Die Leitung des USET (United States Equestrian Team) hofft jetzt, dass Royal Kaliber rechtzeitig vor Athen wieder genesen ist.

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