Dr. Georges Hoffman zu Augentrübungen

Frieder aus Bonn fragt: Sehr geehrter Herr Dr. Hoffmann, ich finde es sehr gut, daß ein Fachtierarzt für Pferde im Internet Tips gibt. Ich weiß, Sie können keine 100 %ige Diagnose stellen, mir aber vielleicht doch ein bißchen weiterhelfen: Letzte Woche entwickelte sich im linkem Auge meiner Stute eine Trübung.
Die Tierärztin stellte fest, daß sich neben der Pupille eine dunkelbraune Strukture mit unregelmässiger Form entwickelt hat. Sie sagt, sie hat sowas noch nie gesehen und kann sich nur zwei Erkläerungen vorstellen: Entweder eine alte Verletzung (ich kann mich nicht daran erinnern, daß sie je eine starke Augenverletzung hatte) oder ein Melanoma. Sie meinte, das sei bei grauen Pferden nicht selten und normalerweise nicht bösartig. Sie könnte aber das Auge verlieren. Was raten Sie mir, Herr Dr. Hoffmann?

Dr. Georges Hoffmann: Sehr geehrter Frieder, wie Sie richtig sagen, ist es nicht möglich auf diesem Weg Diagnosen zu stellen. Erlauben Sie mir deshalb, nur im Allgemeinen auf dieses Thema einzugehen.

Wird ein Auge trüb, so bedeutet das logischerweise, daß die Durchsichtigkeit verlorengegangen ist. Das bedingt, daß nur Strukturen betroffen sein können welche im Normalzustand durchsichtig sind. es sind diesen von außen nach innen gesehen: die Hornhaut, die Flüssigkeit in der vorderen Augenkammer (Raum zwischen Hornhaut und Linse), die Linse, die galertartige Masse der hinteren Augenkammer (Raum zwischen Linse und Augenfundus).

Meistens sind entzündliche Zustände und Verformungen verantwortlich für Trübungen der Hornhaut oder der Linse (Hornhautverletzungen, Hornhautinfektionen, Linsenluxationen usw.) Die Flüssigkeiten der Augenkammern werden getrübt durch Beimengungen von (eiweißhaltigen) Substanzen, welche bei Entzündungen, hauptsächlich der Iris und des Augenhintergrundes ausgeschieden werden (periodische Augenentzündung, Netzhautloslösung usw.)

Narben, welche durch Abheilung von alten Hornhautverletzungen entstanden sind, bleiben oft zeitlebens als milchige Flecken auf der Hornhaut zurück. Selbstverständlich kann sich auch Blut oder Eiter im Auge finden und es trüben. Was Tumore betrifft, so muß man sehen, daß diese nicht nur verformend, da meistens raumgreifend sind, sondern auch immer mit Entzündungsprozessen einhergehen. Es ist also vieles gegeben, daß sie zu Trübungen führen. Allerdings sind Tumore, welche sich im Innern des Auges beim Pferd entwickeln ausgesprochen selten. Viel häufiger sind hier solche, welche sich um das Auge herum entwickeln.

Ursachen für Trübungen sind also zahlreich und in ihrer Bedeutung manchmal sehr verschieden. Nur ein Fachmann, welcher Ihr Pferd untersucht, wird Ihnen sagen können, welche Bedeutung diese Augentrübung in Ihrem speziellen Fall hat. Viel Glück!!



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