Claudia Müller: Wege zur passenden Kürmusik

Ob bei Weltcup, Olympiade, Dressur-WM oder Europameisterschaft die Kür nach Musik gehört fest zum Prüfungsprogramm. Bei keiner großen nationalen Dressur-Veranstaltung darf sie fehlen. Auch bei mehr und mehr Turnieren auf regionaler Ebene wird in diesem Jahr eine Kür ausgeschrieben, um den Dressursport für Zuschauer und Aktive attraktiver zugestalten. In Luxemburg ist sie seit diesem Jahr sogar ein Teil der Landesmeisterschaft der Dressurreiter. Nun stehen einige Reiter und Reiterinnen zum ersten Mal vor der Frage, wie gestalte ich meine Kür und wie funktioniert das überhaupt mit der Musik. Sie können auf zwei Arten vorgehen:

1. Sie suchen zunächst eine passende Musik und entwickeln zu dieser Musik ihre Choreographie oder
2. Sie erarbeiten Ihre Choreographie und suchen dazu dann die entsprechenden Titel.

Dabei sollten Sie sich Folgendes immer vor Augen bzw. Ohren halten: Hinter der Idee der Prüfungsart „Kür“ steht der Gedanke des Interpretierens der Musik. Aus diesem Grund heißt es auch in einem Merkblatt des DRV zur Kür, „Kürprüfungen, bei denen die Musik nur Untermalungsfunktion hat, wirken phantasielos und sind abzulehnen, da sie dem Sinn einer Dressur-Kür widersprechen.“

Reiten zur Musik soll also ein Tanz mit dem Pferd im Takt der Musik sein. Im Idealfall bilden Reiter, Pferd und Musik ein harmonisches Gesamtbild.

Zur Choreographie: Die Pflichtelemente der jeweiligen Kürprüfungen sind in der TO festgeschrieben. Werden Lektionen aus höheren Klassen gezeigt, erfolgt zwar kein Ausschluß, jedoch ein angemessener Abzug in der B-Note beim Schwierigkeitsgrad, der in einem solchen Fall überzogen ist. Das gilt z.B. für Einerwechsel in der S-Kür oder Serienwechsel in der Klasse M. Bei Lektionen, die unterhalb der Anforderungen liegen, erfolgt ebenfalls ein Abzug in der B-Note beim „Schwierigkeitsgrad“, der in diesem Fall nicht voll erfüllt wurde. Richter bewerten es positiv, wenn der Reiter Mut zeigt zu schwungvollem risikoreichem Vorwärtsreiten und zu origineller Gestaltung der Kür. Das bedeutet zum Beispiel, daß die Pflichtelemente einer S-Kür auf Inter I -Niveau nicht an denselben Positionen in der Bahn ausgeführt werden sollten, wie bei der eigentlichen INTER I – Prüfung.

Der Reiter hat in der Kür die Möglichkeit, seine und vorallem die Fähigkeiten seines Pferdes optimal zu präsentieren. Er wird also ein Pferd, das keinen ausgeprägten Schritt zeigen kann, nicht länger als verlangt im Schritt vorstellen. Durch einen ausdrucksvollen Trab z.B. können wertvolle Punkte wieder wettgemacht werden.

Eine optimale Kür sollte sich von Anfang bis Ende steigern. Der erste und vorallem der letzte Eindruck bei den Richtern ist besonders wichtig. Korrektes Halten und Grüßen im Einklang mit der Musik gehören zu einer perfekten Kür, sowohl nach dem Einreiten in die Bahn als auch am Ende der Kür. Sehr effektvoll ist ein „dramatischer“ musikalischer Schluß mit Halten und Gruß auf den Punkt. Eine ausgeblendete Kürmusik hingegen klingt abgewürgt und schadet dem Gesamteindruck.

Für welche Musikrichtung hingegen Sie sich entscheiden sollten, ist einerseits abhängig von Ihrem Musikgeschmack – Sie „müssen“ Ihre Kür recht oft hören können. Ob „Dixieland“, „Klassik“, „Reitermärsche“ oder “ James Last“, usw. alles ist erlaubt, solange in Ihrer Kürmusik – bis auf ganz kurze Passagen – niemand singt. Andererseits sollte auch der optische Eindruck von Reiter und Pferd beachtet werden. So passen z.B. zu einem grazilen Stütlein keine pompösen Klänge von Richard Wagner. Diese könnten Sie für ein großes kräftiges Pferd verwenden. Oftmals vernachlässigt, jedoch ungemein wichtig ist der Bekanntheitsgrad der Musik. Selbst bei der Olympiade 1996 in Atlanta kamen die Küren mit den bekannten Musikstücken auf die vorderen Plätze – allen voran natürlich „Just a Gigolo“ mit GIGOLO und Isabell Werth.

Wenn Sie es schaffen, daß Publikum und Richter bei Ihrer Kürmusik in Gedanken mitsummen oder gar den Takt mitklopfen, ist das schon die halbe Miete für eine gelungene Kürvorstellung mit guten Noten.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Schicken Sie mir einfach ein e-mail ( mail@nullclaudiamueller.com)oder rufen Sie mich an:

Claudia Müller, Im Bann 18, D-73479 Ellwangen Tel: 0049 – 7961 – 56 44 30 Fax: 56 44 31



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